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Steamed Hams Freitag

Schwanzpanzer 28 Okt. 2022, 11:47

Kommentare

  • Deleted member 206 29 Okt. 2022, 16:23
    Zitat von: TreuerStadtschinken
    Gebildet ist er. Er ist halt nur weder ein Philosoph noch ein Psychoanalytiker. Er kann die wirklich himmelschreienden, für jeden auf den ersten Blick ersichtlichen logischen Inkonsistenzen seiner Einordnung des Marxismus und des Kommnusismus nicht auflösen und unternimmt nicht einmal den Versuch, das zu tun. Er ist das Paradebeispiel eines Schwurblers, der durch eine Kombination aus persönlichen Angriffen, grammatikalischer Verwirrung und apodiktischen Behauptungen versucht über diese Lücken in seiner Argumentation hinweg zu täuschen. Dabei ist er auch gleichzeitig das Lehrbuchbeispiel des linken Akademikers, der aus dem Elfenbeinturm der Theorie heraus seine diffuse Verteidigung des Kommunismus aufbaut, ohne dabei die uns alle anschreiende historische Evidenz auch nur zur Kenntnis zu nehmen. Er ignoriert das einfach und macht mit sehr vielen Worten das, was auch weniger gebildete Linke machen: Den echten, in der Realität gut funktionierenden Kommunismus, den kennt nur er - nur dass er selbst dafür keine Lösung anbietet. Er erkennt an, dass Kommunismus so, wie er aufm Papier steht, naja, aus Gründen wahrscheinlich nicht so gut funktioniert, aber er könnte! Wie und unter welchen Bedingungen, selbst das etabliert er nicht.

    Seine schon fast neurotisch-zwanghafte Tendenz, irgendwie alles aus dem Blickwinkel der Lacan'schen Psychoanalyse zu betrachten, ist da ein sehr gutes Beispiel. Ja, er hat da seine Hausaufgaben gemacht und kennt die Systematik der vor-empirischen Psychoanalyse, wie sie von Freud, Lacan oder auch Carl Jung praktiziert wurde (wobei Carl Jung definitiv den Übergang zur Empirie miterlebt und mitgemacht hatte, aber Jung war eben tatsächlich ein Philosoph, der versuchte, empirische Beobachtung vor ihrem sozio-kulturellen Hintergrund zu interpretieren. Ein Ansatz, den Jordan Peterson mehr als deutlich als Kern seiner Argumentationen übernommen hat), aber das war im Grunde nicht viel mehr als anekdotische Evidenz und versuche der deskriptiven Analyse menschlicher Verhaltensweisen im individuellen Einzelfall. Diese Form der Psychoanalyse hatte nie einen wissenschaftlichen Anspruch und war als die ersten Schritte in den Kinderschuhen der Geistesforschung auch notwendig, um in eine Domäne vorzudringen, die zuvor den Kirchen als Monopolisten der Seelsorge zu Eigen war.

    Das ist auch das, was Peterson so eingängig macht: Er übernimmt diese deskriptiven Teile, die sich auch aus seiner Erfahrung als Therapeut nähren und nutzt sie, ähnlich Carl Jung, als didaktische Vehikel, als Metaphern für die empirisch beweisbaren Erkenntnisse. Was er nicht macht, ist die Psychoanalyse auf bloße intellektuelle Überlegenheit des Analytikers zu beschränken, der damit einseitige Deutungshoheit über die Erfahrungen des Individuums erlangt. Etwas, was weder zum eigenen Begreifen der Zusammenhänge etwas bringt noch irgendeinen therapeutischen Nutzen generiert, weil es dann nicht mehr um den Patienten mit seinen Problemen geht, sondern um die Konsistenz der Deutung durch den Deutenden. Die Analyse geht dann also weg vom Ziel der Betrachtung und rückt den Betrachter ins Zentrum der Überlegung.

    So einem wie Schüschek, dem gefällt das, weil es dann nur noch um ihn geht. Hat man in dem Rededuell mit Peterson sehr gut gesehen. Peterson ist mit der Arbeitshypothese reingegangen, er wisse nichts über das Thema, weil du nur dann offen dafür bist, etwas zu lernen. Zizek ist mit der Arbeitshypothese reingegangen, er wisse alles und müsse sich daher auch nur dort wirklich für seine Positionen rechtfertigen, wenn es ihm zupass kommt - also sprich, wenn er sein Gegenüber dominieren kann.

    Peterson hat empirische Beweise und historische Fakten als Grundlage seiner Überlegungen. Zizek hat nur Zizek als Basis seines Denkens.
    Darüber muss ich erstmal nachdenken.
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  • TreuerStadtschinken 29 Okt. 2022, 16:29
    Zitat von: Hazelnut
    Darüber muss ich erstmal nachdenken.
    Guck dir mal seine Analyse zu Hitchcock Psycho an. Er übersimplifiziert das Werk aus künstlerischer Perspektive, damit es zu seiner Einordnung unter Lacans Psychoanalyse passt. Die Teile, die seiner Argumentation zuwider wären, die ignoriert er einfach.
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LSMaxx