Etzala bitte etwas mehr Ernsthaftigkeit.
Zitat von: Pedder
Ich glaube ich hab einen ziemlich schlechten Zeitpunkt zum Monero kaufen erwischt. Klar, es ist mega volatil, aber jetzt steht der Kurs schon deutlich niedriger als vor ein paar Tagen, und noch ein paar Tage vorher war er wiederum da wo er jetzt war. Vielleicht war der Grund für das Zwischenhoch, dass Mental Outlaw ein Video über das Monero-Update gemacht hat. Aber ich bin ja nicht zum Zocken drin, sondern weil ich von dem Zeug überzeugt bin.
Hab mir jedenfalls ein paar Papiere von Monero angeschaut und bin schwer beeindruckt davon, wie komplex und durchdacht das alles ist. Was für Klimmzüge gemacht werden, nicht nur um die Privatsphäre der Nutzer sicherzustellen, sondern auch, um dafür zu sorgen dass Transaktionen zügig abgewickelt werden. Auch wenn ich nicht alles verstanden habe. Und Monero wird ja weiterentwickelt, es wird noch besser! Bei Bitcoin hingegen haben sich die Initiatoren ja schon vor Jahren verpisst, so viel ich weiß, und es gibt keine Updates. Monero könnte mal ne richtige Währung werden. Gerade wenn die Politiker unsere Finanzen immer mehr überwachen wollen, wird es auch immer mehr Leute geben, die nicht überwacht werden wollen, und manche davon werden auf Monero fliehen. Deshalb denke ich, dass die Nachfrage nach Monero und die Verwendung von Monero langfristig zulegen wird. Aber grundsätzlich sind die Leute träge und die Mehrheit wird sich natürlich einfach überwachen lassen.
Jedenfalls, wenn ich mir den Ein-Jahres-Chart von Monero mal so ansehe und mein Chart-Kaffesatzleserei-Halbwissen einsetze, sehe ich: Hoch, Tief, tieferes Hoch, tieferes Tief, noch tieferes Hoch ... mit anderen Worten, einen Abwärtstrend, und jetzt würde ich sagen: In drei Monaten steht XMR nochmal deutlich tiefer als heute. Vielleicht kaufe ich dann nochmal nach.
Aber diese Erwägung bringt mich zu der Frage: Woher weiß ich, welchen Wert Monero mal haben wird? Dass die Verbreitung wächst, bedeutet ja längst nicht, dass auch der Preis to teh moon gehen wird.
Um es mal als Frage an alle langfristigen Kryptowährungs-Investoren zu stellen: Woher haben Kryptowährungen ihren Wert, und wie kann dieser eingeschätzt (ausgerechnet) werden?
Nur weil etwas knapp ist, hat es noch keinen Wert. Es muss auch eine Nachfrage geben. Damit der Wert einigermaßen stabil ist (um nicht zu sagen, nachhaltig), muss diese Nachfrage auch aus Gründen existieren, die nicht darin liegen, dass man erwartet, dass es irgendwann noch mehr wert ist - wenn das der einzige Grund für Nachfrage ist, dann wäre es eine Spekulationsblase.
Ich hole mal ein bisschen weiter aus, um klarzumachen, nach was genau ich frage. Es gibt ja Bewertungsformeln für viele Finanzprodukte. Die sind zwar auch nicht der Weisheit letzter Schluss und mit Unsicherheiten behaftet, aber sie stiften immerhin eine gewisse Orientierung und sorgen dafür, dass der Preis nicht nur von Spekulanten angetrieben wird, die Sachen kaufen, weil sie glauben, dass sie irgendwann einen greater fool finden, dem sie es noch teurer verkaufen können.
Anleihen bewerten ist einfach. Man schaut sich die versprochenen zukünftigen Zahlungen an, und berechnet ihren Barwert bzw. Gegenwartswert - das heißt, man zieht rückwärts die Zinsen ab. Wie hoch ist der Zins, den man abzieht? Das hängt davon ab, 1. für wie wahrscheinlich man es hält dass man die Rückzahlungen wirklich bekommt und 2. davon welchen Zins man "risikofrei" kriegen kann.
Bei Aktien macht man im Prinzip genau das Gleiche, das heißt dann das "Discounted-Cashflow-Modell". Winziges Problem dabei ist dass einem niemand Zahlungen versprochen hat, sondern man quasi raten muss wie hoch die Dividenden in der Zukunft mal sein werden. Aufgrund der Unsicherheit rechnet man dafür mit weitaus höheren Diskontraten (= Zinsen). Außerdem etwas abenteuerlich ist, dass man es in der Praxis so anwendet, dass man die Überschüsse des Unternehmens einsetzt, aber in der Theorie mit den rationalen Aktienkäufern müsste man genau genommen die Dividende einsetzen, zumindest in der Theorie die ich gelernt habe. Es lassen sich aber sicherlich Argumente dafür finden dass das trotzdem Sinn ergibt. Letztenendes führt diese Herangehensweise an die Aktienbewertung auch dazu, dass man das Kurs-Gewinn-Verhältnis als "Daumenpeilung" dafür hat, ob eine Aktie fair bewertet ist oder nicht.
Bei Kryptowährungen funktionieren all diese Argumente nicht, und wir haben auch kein Kurs-Gewinn-Verhältnis, was eine Daumenpeilung dafür liefert, ob der Preis einer Kryptowährung fair ist.
Haben wir eine andere Möglichkeit zur Daumenpeilung, ob eine Kryptowährung fair bewertet ist oder nicht?
"Der Kurs steht niedriger, als er schon mal stand" lasse ich nicht gelten. Die alten Hochs können durch pure Doofheit entstanden sein. Das gibt es bei Aktien auch. Ein früheres Hoch hat keine Aussagekraft dafür, wo der Kurs mal hinwandern wird. Es gibt am Finanzmarkt auf lange Sicht keine "regression to the mean", keine Rückkehr zum Mittelwert. Wie bei den Körpergrößen, wo die Söhne überdurchschnittlich großer Väter meistens zwar selbst überdurchschnittlich groß, aber weniger groß als ihre Väter sind - so ist's am Finanzmarkt nicht: nur weil der Kurs jetzt niedriger als sein Durchschnitt ist, heißt das nicht, dass er wieder in Richtung des Durchschnitts steigen wird.
In der Oldschool-Finanzwelt haben wir noch Währungen, die vielleicht eine Idee dazu stiften könnten, wie man Kryptowährungen bewertet.
Währungen zu bewerten ist aber schon weitaus komplizierter als Aktien zu bewerten und wie es genau funktionobelt, weiß ich auch nicht. Ich weiß einerseits, dass Zinsen und die Handelsbilanz eine wichtige Rolle spielen. In der Kryptowelt haben wir nichts von beidem.
Eine andere Angelegenheit ist die Kaufkraft einer Währung. Wenn in Währung X eine Kugel Eis 5X kostet und bei uns eine Kugel Eis 1,25€, dann würde man denken, dass es doch logisch wäre, dass "Kaufkraftparität" gilt, das heißt dass 5X=1,25€ und damit 1€=4X ist. Für eine Kugel Eis vielleicht nicht, aber wenn man einen größeren Korb an Gütern nimmt, dann schon, würde man denken? Der Blick auf die tatsächlichen Wechselkurse belehrt einen jedoch eines Besseren.
Landläufig hört man oft, dass das Preisniveau in "reichen Ländern" höher ist. Präziser gesagt bedeutet das: Wenn in einem Land die Einkommen kaufkraftbereinigt hoch sind, dann sind dort auch die Preise hoch. Oder anders ausgedrückt: In der Schweiz ist zwar alles teurer als hier, allerdings sind die Löhne dort NOCH höher, und der typische Schweizer kann sich TROTZ der hohen Preise immer noch mehr leisten als der typische Deutsche.
Ich hab jetzt gerade keinen Graphen zur Hand um diesen Zusammenhang zu illustrieren, aber so viel ich weiß ist das ein Fakt, den wo man nicht leugen kann. Die Mainstream-Ökonomie hat jetzt abenteuerliche Theorien darüber was die Ursache für diesen Zusammenhang ist und redet von "Produktivität" und "nicht-handelbaren Gütern" und davon dass technischer Fortschritt die Löhne steigern würde, und die Gültigkeit dieser Erklärungen leugne ich sehr wohl. Ich erspare euch mal meine weitere Meinung dazu, aber worauf ich hinaus möchte:
Um den Wechselkurs einer Währung einzuschätzen, muss man 1. die Kaufkraft dieser Währung anschauen (also was die Dinge in dieser Währung kosten) und 2. die kaufkraftbereinigte Wirtschaftsleistung des Landes in dem diese Währung benutzt wird anschauen und dazu ins Verhältnis setzen.
Ja und lange Rede gar kein Sinn: Keins von beidem gibt es bei Kryptowährungen, deshalb fällt dieser Ansatz zur Bewertung auch flach.
Kryptowährungen haben meines Wissens keine messbare Kaufkraft. Also klar, man kann mit Monero einkaufen gehen, aber die Preise werden nicht in Monero angegeben, sondern in einer Fiatwährung, und dann heißt's, du kannst mit Monero bezahlen, schauen wir mal wie der Monero/Fiat-Kurs heute steht. Deshalb kann man nicht sagen, die Kugel Eis kostet 0,01 XMR oder das Gramm Koks kostet 1 XMR oder eine Vierzimmerwohnung in Frankfurt kostet 20 Bitcoins oder was weiß ich.
Außerdem haben Kryptowährungen keinen Währungsraum, dem man eine Wirtschaftsleistung zumessen könnte. Wobei, doch, vielleicht ein bisschen. Vielleicht können sich hier so langsam Wirtschaftsräume entwickeln. Im Fall von Monero wäre das der Wirtschaftsraum von Leuten, die im Darknet illegale Dinge treiben. Was ist die Wirtschaftsleistung von illegalen Darknetgeschäften? Keine Ahnung. Bei den Kryptowährungen, die irgendwelches Smart-Contract-Zeug machen, kann man vielleicht am ehesten von einem Wirtschaftsraum mit einer gewissen Wertschöpfung reden.
Der Punkt mit der Kaufkraft ist auch so ein Henne-Ei-Problem. Weil der Kurs volatil ist, wird niemand seine Preise darin angeben - und weil niemand seine Preise darin angibt, ist der Kurs an keine realen Dinge die man für die Kryptowährung kaufen kann gekoppelt, und deshalb ist er volatil.
Dieses Problem könnte eingehegt werden, wenn es Finanzdienstleister gäbe, die Kryptowährungs-Optionen bzw. Futures verkaufen, a la: Du kannst bei mir in einem Jahr 100XMR in 15.000€ wechseln, scheißegal was der Kurs dann sein wird. Dann würden einige Leute vielleicht ihre Preise in XMR angeben, und damit die Volatilität rausnehmen. Dieser Beitrag wurde von Gelöschtes Mitglied 78 am 20.08.2022 22:55:13 bearbeitet.


