Zitat von: Sportsfreund98
Ich war immer über alle Maßen ehrgeizig.
In der Schule noch nicht so (zu jung) aber im Studium dann.
Ich habe zwei Studiengänge parallel studiert. Mit sehr guten Noten. Und dutzende sinnvolle Praktikas usw. gemacht. Außeruniversitäres Engagement. Gehörte zu den Top 5 Absolventen. Habe dann jahrelang in der Beratung gearbeitet, 80-90 Stunden pro Woche. Habe entsprechend auch schnell Karriere gemacht. Dann bin ich in ein normales Unternehmen gewechselt und bin da jedes Jahr eine Stufe nach oben befördert worden. Vor ein paar Monaten bin ich (dort) ganz oben angekommen. Geschäftsführer mit 34 Jahren. Hat natürlich nichts mit einem DAX-CEO zu tun. Das Unternehmen hat nur ein paar hundert Mitarbeiter, aufgrund seiner Tätigkeit aber trotzdem eine gewisse Relevanz. Mein Gehalt hat sich mit diesem Schritt auf einen Schlag stark erhöht. Ich hab einen Sprung von 150k auf 250k gemacht. Wenn es gut läuft kann ich aufgrund vom Bonus auch 350k im Jahr verdienen.
Warum schreibe ich das alles: Weil ich nicht mehr lange kann. Ich bin jetzt an dem Punkt angekommen an dem der Druck zu hoch ist. Zum ersten Mal in meinem Leben. Davor wollte ich immer mehr. Jetzt hab ich zum ersten Mal zu viel. Ich habe vor ein paar Wochen die Wachstumsstrategie erarbeitet und durchgeboxt. Alleine das war schon maximal erschöpfend und es ist ja lediglich die Strategie! Die eigentliche Arbeit kommt ja jetzt erst. Jetzt muss / sollte dieses Wachstum kommen und es gibt niemanden, dem ich die Schuld dafür geben kann wenn es das nicht tut, denn es ist meine Strategie und ich habe volles Durchgriffsrecht und muss überwachen dass sie so umgesetzt wird, dass es funktioniert. Ich muss als ultimativ verantwortlicher die schweren Personalentscheidungen treffen, die mir weh tun. Das bedeutet: Leute entlassen, die irgendjemand anderes falsch eingestellt hat und die überhaupt nicht funktionieren, weil die Führungskraft sie nicht richtig aufgesetzt hat oder weil sie von ihren Persönlichkeiten her einfach nicht passen. Ich will solche Leute nicht entlassen, weil das nicht meinen Werten entspricht. Ich kann bei den wenigsten Eigenverschulden erkennen. Ich muss sie aber trotzdem entlassen, weil mein eigenes Standing nicht hoch genug ist um mit sowas durchzukommen. Dem Aufsichtsrat fallen solche Dinge auf. Die achten auf sowas. Wenn ich nicht aufräume, wird man mir das als Führungsschwäche auslegen. Alternativ könnte ich die Leute in ein Spezialteam bündeln und selbst managen, in der Hoffnung dass sie dann funktionieren, aber dafür fehlt mir die Zeit und Energie. Ich muss auf irgendwelche bescheuerten Veranstaltungen und Reden halten, mich zum Affen machen. Immer wenn irgendwas nicht funktioniert bin ich ultimativ dafür verantwortlich. Ich muss in jedem scheiss Meeting zuhören, weil ich auch ständig angesprochen werde.
Ganz vernünftig würde man wohl sagen: Halt es 1,5-2 Jahre durch für den Lebenslauf und dann hau ab. Aber ich weiß nichtmal ob ich das schaffe. Ich träume von einem Job mit klar definierter Verantwortung und ohne Personalverantwortung. Natürlich wird das dann schlechter bezahlt, klar. Kein Problem. Mir reichen 120k im Jahr absolut. Aber sowas zu bekommen ist für mich sau schwer. Jeder Recrutier der meinen Lebenslauf sieht sortiert mich sofort aus, weil "zu teuer". Und wenn ich proaktiv sage dass ich absolut bereit bin ein normales Gehalt zu beziehen, dann wird natürlich trotzdem jeder misstrauisch, weil man dann fragt: "oh, hatte der einen Burnout? Warum gibt man das denn auf? Ist da was vorgefallen? Hat der geklaut?". Und selbst wenn man da durchkommt: Kein Abteilungsleiter hat Bock auf Leute die sagen: "Mein alter Job war mir zu stressig". Das verstehe ich auch. Würde ich auch nicht wollen. Schon garnicht einer, der spielend das Potential hat mir den eigenen Job streitig zu machen.
Ich habe leider keine Abfindung in meinem Vertrag. Meine Geschäftsführerbestellung ist so gestrickt, dass mein bisheriger Arbeitsvertrag ruht, während ich als Organ bestellt bin. Das bedeutet: Wenn ich irgendwann rausgeworfen würde, würde ich automatisch zurückfallen in den bisherigen Arbeitsvertrag. Üblich ist eigentlich, dass man 3-Jahresverträge hat, die dann auch im Zweifel einfach nicht verlängert werden oder wo man eine Abfindung bekommt, wenn es vorher auseinander geht. Das wäre mir viel lieber, aber ist jetzt halt nicht so.
Also: Was tun? Im Moment hangel ich mich von Milestone zu Milestone. Das ist brutal anstrengend, und ich hab im Unterbewusstsein den Eindruck als hänge ein Dämoklesschwert über mir, dass jeder Zeit runterrauschen kann. Vielleicht wenn im Januar die Zahlen nicht mehr stimmen. Oder irgendein rechtliches Thema über das ich stolpere. Ich denke wenn das passieren sollte, dann sollte ich einen harten Cut vollziehen, mich rauswerfen lassen und dann Arbeitslosengeld beziehen und in Ruhe einen Job finden, der so ist wie oben genannt.
Ja
In der Schule noch nicht so (zu jung) aber im Studium dann.
Ich habe zwei Studiengänge parallel studiert. Mit sehr guten Noten. Und dutzende sinnvolle Praktikas usw. gemacht. Außeruniversitäres Engagement. Gehörte zu den Top 5 Absolventen. Habe dann jahrelang in der Beratung gearbeitet, 80-90 Stunden pro Woche. Habe entsprechend auch schnell Karriere gemacht. Dann bin ich in ein normales Unternehmen gewechselt und bin da jedes Jahr eine Stufe nach oben befördert worden. Vor ein paar Monaten bin ich (dort) ganz oben angekommen. Geschäftsführer mit 34 Jahren. Hat natürlich nichts mit einem DAX-CEO zu tun. Das Unternehmen hat nur ein paar hundert Mitarbeiter, aufgrund seiner Tätigkeit aber trotzdem eine gewisse Relevanz. Mein Gehalt hat sich mit diesem Schritt auf einen Schlag stark erhöht. Ich hab einen Sprung von 150k auf 250k gemacht. Wenn es gut läuft kann ich aufgrund vom Bonus auch 350k im Jahr verdienen.
Warum schreibe ich das alles: Weil ich nicht mehr lange kann. Ich bin jetzt an dem Punkt angekommen an dem der Druck zu hoch ist. Zum ersten Mal in meinem Leben. Davor wollte ich immer mehr. Jetzt hab ich zum ersten Mal zu viel. Ich habe vor ein paar Wochen die Wachstumsstrategie erarbeitet und durchgeboxt. Alleine das war schon maximal erschöpfend und es ist ja lediglich die Strategie! Die eigentliche Arbeit kommt ja jetzt erst. Jetzt muss / sollte dieses Wachstum kommen und es gibt niemanden, dem ich die Schuld dafür geben kann wenn es das nicht tut, denn es ist meine Strategie und ich habe volles Durchgriffsrecht und muss überwachen dass sie so umgesetzt wird, dass es funktioniert. Ich muss als ultimativ verantwortlicher die schweren Personalentscheidungen treffen, die mir weh tun. Das bedeutet: Leute entlassen, die irgendjemand anderes falsch eingestellt hat und die überhaupt nicht funktionieren, weil die Führungskraft sie nicht richtig aufgesetzt hat oder weil sie von ihren Persönlichkeiten her einfach nicht passen. Ich will solche Leute nicht entlassen, weil das nicht meinen Werten entspricht. Ich kann bei den wenigsten Eigenverschulden erkennen. Ich muss sie aber trotzdem entlassen, weil mein eigenes Standing nicht hoch genug ist um mit sowas durchzukommen. Dem Aufsichtsrat fallen solche Dinge auf. Die achten auf sowas. Wenn ich nicht aufräume, wird man mir das als Führungsschwäche auslegen. Alternativ könnte ich die Leute in ein Spezialteam bündeln und selbst managen, in der Hoffnung dass sie dann funktionieren, aber dafür fehlt mir die Zeit und Energie. Ich muss auf irgendwelche bescheuerten Veranstaltungen und Reden halten, mich zum Affen machen. Immer wenn irgendwas nicht funktioniert bin ich ultimativ dafür verantwortlich. Ich muss in jedem scheiss Meeting zuhören, weil ich auch ständig angesprochen werde.
Ganz vernünftig würde man wohl sagen: Halt es 1,5-2 Jahre durch für den Lebenslauf und dann hau ab. Aber ich weiß nichtmal ob ich das schaffe. Ich träume von einem Job mit klar definierter Verantwortung und ohne Personalverantwortung. Natürlich wird das dann schlechter bezahlt, klar. Kein Problem. Mir reichen 120k im Jahr absolut. Aber sowas zu bekommen ist für mich sau schwer. Jeder Recrutier der meinen Lebenslauf sieht sortiert mich sofort aus, weil "zu teuer". Und wenn ich proaktiv sage dass ich absolut bereit bin ein normales Gehalt zu beziehen, dann wird natürlich trotzdem jeder misstrauisch, weil man dann fragt: "oh, hatte der einen Burnout? Warum gibt man das denn auf? Ist da was vorgefallen? Hat der geklaut?". Und selbst wenn man da durchkommt: Kein Abteilungsleiter hat Bock auf Leute die sagen: "Mein alter Job war mir zu stressig". Das verstehe ich auch. Würde ich auch nicht wollen. Schon garnicht einer, der spielend das Potential hat mir den eigenen Job streitig zu machen.
Ich habe leider keine Abfindung in meinem Vertrag. Meine Geschäftsführerbestellung ist so gestrickt, dass mein bisheriger Arbeitsvertrag ruht, während ich als Organ bestellt bin. Das bedeutet: Wenn ich irgendwann rausgeworfen würde, würde ich automatisch zurückfallen in den bisherigen Arbeitsvertrag. Üblich ist eigentlich, dass man 3-Jahresverträge hat, die dann auch im Zweifel einfach nicht verlängert werden oder wo man eine Abfindung bekommt, wenn es vorher auseinander geht. Das wäre mir viel lieber, aber ist jetzt halt nicht so.
Also: Was tun? Im Moment hangel ich mich von Milestone zu Milestone. Das ist brutal anstrengend, und ich hab im Unterbewusstsein den Eindruck als hänge ein Dämoklesschwert über mir, dass jeder Zeit runterrauschen kann. Vielleicht wenn im Januar die Zahlen nicht mehr stimmen. Oder irgendein rechtliches Thema über das ich stolpere. Ich denke wenn das passieren sollte, dann sollte ich einen harten Cut vollziehen, mich rauswerfen lassen und dann Arbeitslosengeld beziehen und in Ruhe einen Job finden, der so ist wie oben genannt.




