#407
unterwanderer
11 Jan. 2024, 14:23
Zitat von: Stripey
MIttelschicht sind tatsächlich 3 Jahre hingequälte Musikunterrichtsstunden um es irgendwann sein zu lassen. Aber wenigstens das.
So ist es. Ich würde aber drei Jahre hingequälte (und vor allem unfreiwillige) Teilnahme am Musikunterricht nicht als Instrument "spielen können" deklarieren.
Zitat von: LustDick
Ist das Fehlen davon nicht Unterschicht?
Würde von der Mittelschicht alle drei Punkte erwarten.
Die britische Klassendefinition ist da in meisten Punkten einleuchtender, als die deutsche, die nur an Geld festgemacht wird.
Handwerker = blue collar
Handwerker mit Cayenne Turbo und 20 Angestellten = blue collar
"Management" eines Restaurants = lower middle class
"Management" eines Kreditinstituts = upper middle class
Anwalt (egal was er verdient) = upper class
Uni-Dozent (egal wie arm) = upper class
Arzt = upper class <--- gibt auch ein paar seltsame Berufsbeispiele
Ehrlich gesagt gefällt mir diese Definition sogar besser als es über das Einkommen zu regeln. Bin aber, wie oben erwähnt, vom Einkommen ausgegangen.
Meiner Erfahrung nach sind in der Mittelschicht einige Menschen die zumindest die Matura abgelegt haben. Das heißt, sie wurden an Themen wie Kunst, Literatur, Musik, Philosophie, etc. herangeführt, haben dann aber entschieden, dass man das alles nach der Klingel nicht braucht. Man könnte sagen, dass die Mittelschicht in gewissen Belangen schlimmer ist als die Unterschicht, da diese nie "ans Wasser geführt" wurde. Man kann das auch gut beobachten anhand derer, die aus der Mittelschicht aufgestiegen sind. Dort ist immer ein Grundinteresse an etwas Höherem vorhanden. Gleichzeitig kann ich in absinkenden Familien Desinterresse bezüglich Geisteswissenschaften vermerken.
Dieser Thread (und der Schwester-Thread über die Unterschicht) trägt aber ein intuitives "Negative" vor dem Titel, da hier eigentlich nur die unschönen Dinge des Lebens der entsprechenden Schichten gesammelt werden. Um mal etwas positives festzuhalten: Je geringer die Soziale Schicht, die Bildung und das Einkommen umso höher die soziale Nähe. In der Oberschicht ist es unfassbar schwer wertvollen authentischen Austausch oder gar wirkliche Freundschaft zu finden. Auf gewisse Art sind viele Menschen mit hohem Einkommen stärker isoliert als mancher Bürgergeldler. Es gibt weniger von einem und die paar haben auch noch sehr spezielle Ansprüche. Das erklärt auch, warum so viel Geld mit irgenwelchen Sozial-Kursen verdeint wird, warum Kinder hier meist weltanschaulich verwildern und warum man in den Medien ständig von "zu wenig Zusammenhalt" hört, während andere nicht wissen, wie sie durch den Monat kommen sollen. Ist halt das, was "Denen da oben" fehlt und dort entsteht das Programm.
Dieser Beitrag wurde von unterwanderer am 11.01.2024 15:52:47 bearbeitet.