#3735
Deleted member 380
17 Feb. 2022, 17:09
Zitat von: gayusschwulius
Nein, nein, ich habe ganz genau verstanden, was du meinst. Ja, die NATION trägt nach deiner Meinung die Verantwortung. Aber eine Nation ist eben nur ein abstrakter Begriff. Was ist denn eine Nation? Staatsgewalt, Staatsvolk, Staatsgebiet. Hat die jetzt regierende Staatsgewalt irgendetwas mit dem Holocaust zu tun? Wohl kaum. Das physische Gebiet? Erst recht nicht. Das Volk? Bis auf wenige Überlebende keiner. Wie kommt man also auf die Idee, dass eine abstrakte Körperschaft irgendeine Verantwortung für etwas trägt, womit keiner ihrer Teile etwas zu tun hat? Ich würde dich ja verstehen, wenn du sagen würdest: "Es haben grundsätzlich alle Menschen eine Verantwortung dafür, dass sich der Holocaust nicht wiederholt!" Ein Satz, den ich so sogar völlig unterschreiben würde. Aber die Deutschen und Österreicher besonders, nur weil sie einen Namen übernommen haben? Bullshit. Das ist antiindividualistisches Gruppendenken.
Inwiefern ist das eine Lektion, die man spezifisch aus dem Holocaust lernen kann? Glaubst du echt, dass der Nationalsozialismus die historisch erste Ideologie war, die zum Massenmord geführt hat? Dass er irgendwie besonders ist? Die Menschheitsgeschichte ist vollgestopft mit zig derartigen Beispielen über mehrere Jahrtausende.
Dass man einer Ideologie nicht folgen sollte, die zum Völkermord führt, war auch den Zeitgenossen völlig klar. Nur fällt es eben schwer, solche Ideologien a priori zu identifizieren und dann dem Druck zu widerstehen. Nachher kannst du leicht sagen: "Ja, den Hitler, den hättet ihr nicht wählen sollen!" Aber wem war im Jahre 1933 klar, dass Hitler zig Millionen Menschen ermorden würde? Zumal die Wahl eh nur zwischen Hitler und den Kommunisten bestand. Welche Ideologie war aus der ex ante-Sicht gefährlicher? Das kann ich selbst heute nicht sicher beurteilen.
Zu sagen, dass man aus dem Holocaust lernen kann, dass es eine doofe Idee ist, einer gefährlichen Ideologie hinterherzurennen, ist in etwa so, als würdest du bei einem Unfall mit einem besoffenen Fahrer sagen, dass man daraus lernen könne, dass es eine dumme Idee ist, betrunken Auto zu fahren. Technisch richtig, aber der faktische Erkenntnisgewinn ist minimal, da das ohnehin schon allen klar ist. Ich bleibe dabei - der Holocaust ist tragisch, aber nichts, woraus man eine tolle moralische Botschaft ziehen könnte, die nicht ohnehin jedem bekannt ist. Gleiches gilt übrigens auch für die Sklaverei.
Und, btw, wo um alles in der Welt habe ich gesagt: "höhöhö waren ja nur die anderen, die über die Klinge springen mussten, nicht ich"? Es geht doch nicht darum, wer Opfer ist, sondern wer Täter ist. und wer die Verantwortung trägt.
Mumpitz. Aus heutiger Sicht ist es fast vollkommen unbedeutend, ob ein Ereignis 100 oder 1000 Jahre zurückliegt, weil der Schnittpunkt zwischen Historie und Zeitgeschichte genau an dem Punkt liegt, an dem das Ende einer Lebenserwartung liegt. Oder glaubst du, dass ein weiterer Holocaust jetzt wahrscheinlicher ist als in tausend Jahren? Warum? Warum also haben wir jetzt Verantwortung und dann nicht mehr?
Du forderst zuerst wieder Stolz, Größe und Selbstbewusstsein für die Nation und dann sagst du, dass die Nation ein abstrakter Begriff ist, dem man nichts attribuieren kann. Merkst du selber, oder? Die Bundesrepublik ist teilidentisch mit dem Deutschen Reich, bevor du hier mit staatsphilosophischen Begriffen und Konzepten herumschwurbelst, die du kurz beim Kacken auf Wikipedia nachgeschlagen hast, nimm ein Buch in die Hand. Ja genau dieser Nationalstaat übernimmt Verantwortung, oder soll es "ja liegt in der Vergangenheit, also scheissegal" sein? Hmm? Das wäre supertoll! Dann kann ich dir aufs Maul hauen und sagen "ja egal, liegt ja weit zurück, jetzt bin ich ein anderer Mensch!".
Gleiches gilt für Begriffe wie "a priori" usw., schmeiß nicht mit Begriffen rum, die du irgendwie gehört hast und cool findest und ja, man kann totalitäre Ideologien erkennen und nicht für sie sein, solange man die Wahl hat.
Wer das Programm der NSDAP einmal gelesen hätte, hat ja auch keiner wirklich (wie heute auch niemand Parteiprogramme liest, eben DAS kann man lernen) oder dieses unfassbar beschissene Buch "Mein Kampf" hätte wohl zweimal überlegt für A.H. zu stimmen. Da stand das nämlich alles schon drin, was die vorhatten.
Was ist schon allen klar? Den Leuten ist gar nichts klar, sonst würde sich nicht immer wieder die gleiche Scheiße abspielen. Wovon redest du hier?
Wer hat gesagt, dass wir jetzt Verantwortung tragen und später nicht mehr? Wer hat gesagt, dass nur wir der Ereignisse gedenken sollten?
Wer hat irgendwas gesagt, dass wir an der Schuld von damals rumdeuteln. Es geht um das hier und jetzt und da ist das Dritte Reich eben der letzte Bezugspunkt in unserer jüngeren Geschichte. Was du beschreibst, ist kein Patriotismus, der es aushält, wenn man Fehlern und Verbrechen gedenkt, das ist Größe und eine gute Sache. Was du beschreibst, ist wehleidiges Weini eines zornigen Teenagers mit schwarz-weiß-roter Fahne. Du bist kein Patriot. Du bist ein ganz kleiner Depp ohne Selbstbewusstsein, der verzweifelt versucht, schlecht zu relativieren.
Aber schön, dass du dich so aufregst.
Jetzt kannst du wieder Landser hören gehen.