Zitat von: Destrudo
Ich kenne eine, die ursprünglich aus Franken kommt und die macht auch gerne ab und zu ein "en" zum "ne".
Warum auch immer.
Muss dann immer mein Haid unterdrücken und mich zwingen sie nicht nachzuäffen.
Ich halte Fränkisch für einen sehr vielseitigen Dialekt. Es gibt hier zum Beispiel einen Schriftsteller namens Klaus Schamberger, der neben alberneren Geschichten auch mal Texte über seine Erinnerungen und seine Heimat hier verfasst. Da wird der Dialekt ganz schnell persönlich und sogar anrührend.
Ja, es gibt ein Endungs-ne (und auch das verschluckte „e“). Aber das kenne ich für gewöhnlich nur als kräftigen Endlaut, der doch etwas ne Art eigene Bedeutung mit bringt, meistens ähnlich wie wenn aus „Was machen (mach‘n) die Kleinen?“ durch „sinnlose“ Füllwörter ein „Was machen denn dann nun (machne) die Kleinen?“ wird.
Und weil Franken ihr R mögen wird auch oft „-nerrrr“ draus.
Und dann gibt es nen „Franken“ der so spricht weil er einfach den Mund nicht unter Kontrolle hat. Und ich glaube da liegt das Geheimnis vom „ne“: im ersten Schritt wird das e aus Faulheit verschluckt. Aber ans Ende rutscht es gar nicht absichtlich - für gewöhnlich beendet man ja ein Word das auf N endet, indem man relativ zeitgleich die Zunge löst und den Luftstrom an den Stimmbändern ausklingen lässt. Wenn man aber die Zunge bei erster Gelegenheit schlaff vom Gaumen herab klatschen lässt wie nen nassen Waschlappen, die Lunge aber noch bestrebt ist sich keuchend zu entleeren, wird mit dem verklingenden Laut aus dem N noch ein E. Das ist kein Dialekt, das ist das Geräusch eines Mundes der alle Muskeln entspannt und sich wie ein schlaffer Sack ins Zarensofa plumpsen lässt. Ein Mundfurz sozusagen.
Er spricht nicht wirklich Fränkisch. Fränkisch hat ihn nur inspiriert auch beim Reden den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen. Wie klingt es, wenn er innehält und nachdenkt? Ä, E, Æ. Das sind „einfache“ Laute, so wie das was man eben am Ende eines Wortes noch mit rausrutschen lässt wie nen Blubberer ins Polster. Das passiert auch bei anderen Worten: „Zelda“ klingt dann am Ende nach „-dea“. Das E ist wie so ein Default-Ton, wie der Bordun beim Dudelsack, der auch da ist wenn man nichts spielt. Der komische Zwischenton wenn ein Gitarren-Anfänger zum umgreifen noch etwas länger braucht und trotzdem dabei anschlägt.
Je länger ich darüber nachdenke um so mehr Sinn ergibt es: N ist einer der anstrengendsten Laute, der Zungenmuskel muss mit Kraft die Spitze nach oben drücken und sich dort halten. Zumindest bei einem saubere Laut. Oder man schmatzt einfach den ganzen Lappen an den Gaumen.
Ein anderer anstrengender Laut ist das kräftige TS beim Z. Und da ist er eben nicht Franke. Wenn der Nürnberger vom „Zabo“ redet schnalzt es kraftvoll. Aber er bekommt „Zelda“ halt nur auf fast so klägliche Weise hervor wie seinen Maulwurfpimmel. Dieser Beitrag wurde von Maus_in_der_Fensterbank am 25.10.2022 23:22:27 bearbeitet.




