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MächtigerMauzer
2 Nov. 2022, 18:16
Zitat von: Rollatormann
Ich weiss, er hat so ziemlich alles verdient und selbstverschuldet, aber stellt euch mal vor das wäre eine normale Person.
Vom Hauseigentümer zum Obdachlosen
Hausgeld für ein Auto ausgegeben
Führerschein weg, Auto weg
Geld aus dem Hausverkauf neigt sich langsam auch dem Ende zu
Ich frage mich wirklich ob er sich bewusst ist was für eine Chance er eigentlich hatte und dass er alles weggeschmissen / verloren hat.
Hier muss ich mal eine Gegenthese formulieren, die mich schon länger umtreibt.
Ich lese oft so Sachen wie "Rainer hatte eigentlich alles, Geld, ein Haus, ein Auto - er hätte sich nur ein wenig anders verhalten müssen, dann hätte er heute einen Tschop und eine Familie."
Das halte ich für glatt falsch. Ich würde sogar sagen: Unter den gegebenen Umständen
musste es so kommen, und es ist erstaunlich, dass es so lange gedauert hat, und nicht z.B. Rainer mal aus Versehen sein Haus abgefackelt hat.
Rainer ist kein normaler Mensch im Sinen von "normaler Akteur in der Welt", wie man sich jemanden ab einem gewissen Alter vorstellt. Rainer ist absolut berechenbar in bestimmten Dingen: Gib ihm Geld, er schmeißt es zum Fenster raus. Gib ihm ein Haus und er müllt es zu. Stelle Kontakt zu anderen Leuten her, und er wird sie zu Haidern transformieren.
Das alles macht er nicht wirklich freiwillig, er kann nicht anders. Wenn man einem Dreijährigen Farbe und Pinsel gibt, wundert man sich nicht, wenn hinterher die Wände beschmiert sind, sondern man sagt "so musste es ja kommen".
Es gab in keiner Zeit nach 2011 keinen Punkt, wo Rainer an einem Scheideweg gestanden hätte und sich dann für die schlechtere von zwei Optionen entschieden hätte. Rainers Handlungen sind allesamt impulsiv und triebgesteuert, nicht das Ergebnis von Abwägung. Aus genau diesem Grund kommt Rainer selbstständig niemals auf einen vernünftigen Weg; er braucht im Grunde jemand, der ihn an der Leine zerrt.
Deshalb hatte Rainer keine Chance mehr ab dem Punkt, wo es keinen externen Zwang mehr im Leben gab. So richtig zielführend waren die Zwänge davor aber auch nicht, deshalb kann man sogar sagen: Rainer hatte in seinem ganzen Leben niemals eine realistische Chance auf ein normales Leben. Deshalb finde ich es auch komisch, wenn Leute sagen, er solle doch "einfach" arbeiten gehen. Selbst wenn er eine völlig weiße Weste hätte und wir die Uhr auf 2010 zurückdrehen, wo und was soll er denn arbeiten? Welche Arbeitskollegen wollen Rainer um sich herum haben?
Dieser Beitrag wurde von MächtigerMauzer am 03.11.2022 12:51:36 bearbeitet.