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panics kleiner Highlightfaden

  • #161 panic 21 März 2022, 14:36




  • #162 panic 21 März 2022, 15:57

    Noch a weng aktueller Abriss-Content 21.03.22 (Quelle Telegram)







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  • #163 panic 21 März 2022, 20:36

  • #164 panic 22 März 2022, 16:31

    Morgen Abend (23.03.22) 22:35 Uhr auf RTL

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  • #165 panic 22 März 2022, 17:58


    Als Bild:

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    Vorgelesen:



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    Es ist Montag, der 28. Februar, als Rainer Winkler sein Elternhaus für immer verlässt. Er trottet über seinen Hof, kein Umzugsunternehmen ist da, keine Verwandten helfen ihm. Winkler ist allein. Rund 100 Meter entfernt aber, in einem Wald auf einer Anhöhe, steht an diesem Vormittag eine Frau zwischen den Bäumen und beobachtet ihn. Und am Ortsausgang warten bereits ein Mann und eine Frau, die ihn belästigen wollen.

    Winkler kann davon nichts wissen, und doch dürfte es ihn kaum überraschen. Er packt ein paar Habseligkeiten auf die Ladefläche seines Pick-up Trucks. Dann fährt er los. Um kurz vor 12 Uhr lässt er das Haus zurück, in dem er 32 Jahre gelebt hat.

    Der Mann, der hier auszieht, ist eine Berühmtheit im Internet, auf YouTube nennt er sich Drachenlord. Er ist Opfer des wohl größten deutschen Cybermobbing-Falls – von Trollen gejagt, von Nachbarn verflucht, von der Justiz verfolgt und aus seinem Haus durch die Gemeinde herausgekauft.

    Winkler stammt aus Altschauerberg. Ein Dorf in Mittelfranken, gelegen in einem Tal, umgeben von Wald. 36 Menschen leben hier, am Ortsausgang ist eine Pferdekoppel. Ein fränkisches Idyll, gestört von einem Mob aus dem Internet.

    Acht Jahre lang kommen Winklers Gegner nach Altschauerberg, um ihn zu begaffen und zu demütigen, ihn anzuschreien und anzugreifen, um sein Haus zu demolieren. Sie kommen aus ganz Deutschland, teilweise sogar aus England und den USA. Sie nennen sich selbst Hater, denn Hass ist das, was sie eint: Hass auf Winkler – auf sein Aussehen, sein Auftreten, seine vor Gericht festgestellte »Intelligenzminderung«, auf eigentlich alles, was er macht.

    Im Sommer 2018, nach einer Hass-Demo mit Hunderten Teilnehmern im Dorf, hatte der Fall die große Politik erreicht. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) gab ein Versprechen ab: »Wir werden alles dafür tun, um die Ruhe in diesem Dorf wieder herzustellen«, sagte er bei einem Ortsbesuch in TV-Kameras.
    Doch die Lage hat sich nicht beruhigt, die Situation wurde im Laufe der Jahre nur schlimmer.

    Eine Wendung könnte nun ein Prozess vor Gericht bringen – allerdings nicht gegen Hater, sondern gegen Winkler. Am Mittwoch muss er sich am Landgericht Nürnberg-Fürth in einem Berufungsverfahren unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten, ihm droht eine Freiheitsstrafe. Er hatte mehrere seiner Peiniger geschlagen.

    Noch bevor die Verhandlung beginnt, lässt die Gemeinde sein Haus abreißen. Doch die Hater verlieren nicht die Lust an der Erniedrigung, ihr Schlachtfeld hat sich nur verschoben. Denn Winkler fährt inzwischen mit seinem Pickup durchs Land und wird dabei von ihnen verfolgt.

    Ein Blick auf die letzten drei Tage des Drachenlord in Altschauerberg offenbart, wie das, was die Hater verharmlosend ihr »Drachengame« nennen, funktioniert. Ein perfides, sadistisches Spiel – das jahrelang niemand stoppt. Hat der Staat vor einer Armada von Online-Trollen kapituliert? Um Antworten auf diese Frage zu finden, hat sich der SPIEGEL den Akteuren genähert, die zu diesem Fall gehören, ob sie wollen oder nicht: der YouTuber, die Hater im Netz und auf der Straße, die Nachbarn und schließlich der Staat.
    27. Februar, der Vorabend des Auszugs von Rainer Winkler: Im Kapuzenpullover führt der Drachenlord durch seine renovierungsbedürftigen Räume. Es ist das letzte YouTube-Video aus seinem Haus, zeitweise klingt es, als schließe er mit seinem Leben ab. Wahrscheinlich sei er bald nur noch ein »Idiot«, der unter der Brücke schlafen werde. »Aber ich kann am Ende meines Lebens sagen, dass ich eigentlich ein recht gutes Leben hatte.«

    Vermutlich an seine Hater gerichtet sagt er: »Ich find’s schade, dass die Respektlosigkeit und die egomanischen Ansichten von einigen wenigen Leuten mir im Prinzip mein ganzes Leben zerstört haben.« Nur eine Minute später erkennt er offenbar über einevon ihm installierte Kamera erneut zwei ungebetene Besucher vor seinem Haus. Er wählt die Nummer der Polizei und sagt: »Ich werde es nie verstehen.«

    »Ich möchte mich nicht als ein Samariter hinstellen, das bin ich nämlich nicht«, sagt Winkler. Er habe mit YouTube Geld verdienen wollen, weil er ein besseres Leben für sich haben wollte. Sein Einkommen bezifferte er letztes Jahr auf monatlich 3.000 bis 6.000 Euro.

    Vor zehn Jahren hat der Drachenlord seine ersten Videos hochgeladen. Die Clips zeigten, wie er mit seinen langen Haaren zu Heavy Metal-Musik headbangte. Er erzählte, dass er auf das Geld vom Arbeitsamt warte oder zockte das Videospiel League of Legends. YouTube wurde zu seinem Beruf. »Es hat mich gefreut für ihn, dass er etwas gefunden hat, wofür er ein bisschen Anerkennung bekommt«, sagen Nachbarn heute über diese Zeit.

    Doch schon als seine Videos nur wenige Hundert Aufrufe hatten, bekam er auch Kommentare wie »Du bist total untalentiert« und »Spring von der Brücke«, so erzählte er es in einem Video. Drachenlords Kanal ist ein Sammelsurium des Banalen, teilweise des Absurden, manchmal auch des schwer Erträglichen. Einmal erzählte er, er habe sein eigenes Ejakulat probiert, den Holocaust nannte er an anderer Stelle eine »nice Sache«. Später distanzierte er sich von der Aussage.
    Seine Hater führen sie dennoch bis heute immer wieder an, als vermeintlichen Beweis dafür, dass er nicht Opfer, sondern Täter sei, den es zu bestrafen gilt.

    Wann aus Spott systematisches Mobbing wurde, ist schwer zu rekonstruieren. Doch 2014 veröffentlichte Winkler sein bis heute folgenschwerstes Video: Er erzählte, Hater hätten seine Schwester angerufen und bedroht. Wer meine, seine Familie beleidigen zu können, solle zu ihm kommen, sagte der Drachenlord aufgebracht in die Kamera – und verrät seine Adresse. Seitdem kamen Menschen aus dem Internet zu ihm nach Altschauerberg.

    Sie warfen Eier und Böller auf seinen Hof. Manche wollten plaudern, andere grölten und beleidigten ihn. Immer mehr Hater strömten in das Dorf, bald kamen sie nahezu täglich. Und Winkler? Er fand offenbar keine geeignete Strategie, mit der Schikane umzugehen. Stattdessen gab er seinen Anti-Fans, was sie wollten, reagierte auf die kalkulierten Provokationen mit Wutausbrüchen, die seine Feinde dann filmten und veröffentlichen. Wieder und wieder stellten sie ihn so bloß, Millionen Menschen schauten im Netz zu.

    2016 wurde Winkler selbst erstmals mit Angriffen auf seine Hater aktenkundig. Er schlug die Seitenscheibe eines Autos mit einem Besenstiel kaputt. Im August 2019 warf er einen Backstein nach einem Hater. Im selben Jahr, einen Tag vor Heiligabend, ließ er sich von zwei Medizinstudenten, die seinen verstorbenen Vater boshaft beleidigten, aus seinem Haus locken. Sie wussten, dass er vorbestraft war. »Wir bringen ihn in Knast«, sagte einer von ihnen. Sie hielten die Kamera drauf. Winkler schlug zu. Die Studenten schlugen zurück.
    Auch wegen dieser Auseinandersetzung fand sich Rainer Winkler im Oktober 2021 im Saal E006 des Nürnberger Strafjustizzentrums wieder, angeklagt wegen gefährlicher Körperverletzung und Beleidigung. Im Publikum saßen Hater, rund 50 von ihnen standen seit den frühen Morgenstunden an, um die Gerichtsverhandlung zu beobachten. Winkler wurde zu zwei Jahren Haft verurteilt. »Besiegt auf ewig«, feierte die Szene das Urteil.

    Die Richterin nutzte das Verfahren für ein Statement. Die beiden Medizinstudenten versuchten ihre Aktion damit zu rechtfertigen, dass Winkler den Holocaust verharmlost habe; es ist der in der Hater-Szene verbreitete Versuch das »Drachengame« zu legitimieren. Die Richterin sagte im Prozess, es sei »empörend, dass Leute sich daran ergötzen, jemanden psychisch so fertig zu machen und zu provozieren, um ihn in den Knast zu bringen und dass sie sich dann hinterher als Retter der Nation aufspielen.«

    Nach dem Urteil legten Staatsanwaltschaft und Verteidigung Berufung ein. Die Staatsanwältin fand das Urteil zu milde, Winkler fand die Haftstrafe ungerechtfertigt. Er habe sich nur verteidigt, sagte er später. Das Gericht allerdings stellte keine Notwehr fest. Nicht einmal sein Verteidiger führte sie an.
    Dass der Drachenlord sein Haus inzwischen verkauft hat, dürfte zumindest indirekt mit dem Prozess zu tun gehabt haben. Winkler selbst antwortet auf Nachfragen des SPIEGEL nicht. Aber Personen, die mit dem Fall vertraut sind, gehen davon aus, dass er durch den Verkauf seine Chancen vor Gericht verbessern wollte. Offenbar rieten ihm Behördenvertreter, so könne er seinen Teil dazu beitragen, das »Drachengame« zu beenden.

    Um das zu erreichen, machten sowohl der Bewährungshelfer als auch die Richterin im Prozess noch einen zweiten Vorschlag: Winkler solle mit YouTube aufhören oder zumindest eine Pause machen. Der Staat, der die Hater nicht aufhielt, riet Winkler zum Rückzug. Es ist ein Schritt, von dem die lokale Polizeidirektion ihn schon vor fünf Jahren überzeugen wollte. Doch es ist ein Schritt, den Winkler nicht gehen will, vielleicht auch nicht mehr gehen kann.

    YouTuber zu sein, sei schon mit Anfang 20 Winklers Lebensziel gewesen, sagt jemand, der mit ihm schon lange im Austausch ist. »Er möchte, dass man ihn kennt und seine Videos anguckt.«

    Dieser Beitrag wurde von panic am 22.03.2022 20:21:28 bearbeitet.
  • #166 panic 22 März 2022, 18:02

    2/3

    Es ist die Tragik des Falls Rainer Winkler: Die wichtigste Währung für YouTuber ist Aufmerksamkeit, doch die meiste Aufmerksamkeit bekommt er von seinen Anti-Fans. Manchmal scheint es, als wäre der Drachenlord in eine unheilvolle Symbiose mit seinen Hatern geraten. Sie ernähren ihn und sie zerstören ihn. Und es gibt niemanden, der sie stoppt.
    Der 28. Februar soll für Rainer Winkler ein Tag sein, an dem er ein Stück seiner Privatsphäre zurückbekommt. Er hofft offenbar, mit seinem Auszug auch die Hater zurückzulassen. Die hatten im Netz spekuliert, wann er sein Haus verlässt, um live dabei zu sein. Doch dass Winkler an jenem Montag auszieht, scheint niemand erwartet zu haben – der Drachenlord hatte seine Gegner zuvor bewusst in die Irre geführt.

    Winklers Plan scheitert trotzdem, noch bevor er auf die Staatsstraße 2244 am Ortsausgang biegt. An der Kreuzung stehen ein Mann und eine Frau, beide Hater. Als sie Winklers Truck sehen, rufen Sie: »Meddl Loide«, die bekannte Begrüßungsformel aus den Drachenlord-Videos.

    Warum sind die beiden überhaupt an diesem Montag hier? Er wolle Winkler nicht provozieren, »bloß schauen«, erklärt der Mann. Leute, die Eier auf das Grundstück werfen, seien asozial, sagt er. »Ich führe ein bürgerliches Leben.« Wenn er von Winkler spricht, nennt er ihn »Fettsack« oder »den Dicken«, sagt Sätze wie: »Er hat sein Leben verwirkt, seien wir ehrlich.«

    Seinen Namen will er nicht sagen. Hater verlassen zwar das Netz, aber nur ungern die Anonymität. Beide erzählen, dass sie nicht zum ersten Mal hier seien, aber zum ersten Mal gemeinsam. Kennengelernt haben sie sich angeblich in einer Drachenlord-Mobbing-Gruppe bei Facebook, nun machen sie in der Nähe Wellness-Urlaub. Das »Drachengame« als Dating-Plattform.
    Bevor sie wegfahren, sagt der Mann noch, dass er zum Leitungsteam einer Hater-Gruppe bei Facebook gehöre, mit mehreren Tausend Mitgliedern. Ein Blick auf die Plattform offenbart, dass er wohl doch nicht so harmlos ist, wie er sich selbst darstellt. 2019 veröffentlichte er ein Video, das er als »seinen Besuch« bezeichnet. Der Clip zeigt eine Person auf Winklers Hof. Eine Fensterscheibe des Hauses ist zerbrochen, Winkler selbst schreit und droht mit Anzeige. Der Eindringling brüllt vom Hof aus zurück: »Komm runter, du Fotze. Komm runter, ich mach Dich kalt.«

    Wie viele solcher Filme es gibt oder wie vielen Hatern sich der Drachenlord überhaupt gegenübersieht, ist schwer zu überblicken. Im Netz sammelt sich die Szene in Facebook-Gruppen, auf Twitter, in Telegram-Chats, in Imageboards wie 4chan und in speziellen Foren. Eine Datenanalyse des SPIEGEL zeigt, dass allein in den wichtigen szenetypischen Chats in der zweiten Februarhälfte rund 75.000 neue Beiträge mit Bezug zum Drachenlord gepostet wurden. Das sind 5000 neue Posts pro Tag. Eine Telegram-Gruppe der Hater-Szene hat inzwischen 28.000 Mitglieder, sie wächst in diesen Tagen schnell.

    Die Hater feuern sich in ihren Gruppen gegenseitig mit neuen Aufnahmen aus Altschauerberg an. Je ausgefallener die Aktion, umso mehr Aufmerksamkeit. Gleichzeitig dient das Netz als Organisationsplattform. Es gibt Gruppen, in denen sich Hater aus ganz Deutschland für Touren nach Mittelfranken verabreden.

    Eine mächtige Mobbing-Maschine.
    Die Szene der Hater ist heterogen, längst nicht alle begehen Straftaten, nicht alle pöbeln. Manche kritisieren besonders krasse Aktionen, gerade, wenn Nachbarn darunter leiden. Der Mehrheit scheint es zu reichen, belustigt zu gaffen – im Netz oder vor Ort.

    Warum die Menschen in das Dorf reisen, ist nur schwer zu begreifen. Unter den Besuchern sind viele junge Männer, oft noch Teenager, aber auch eine Familie mit ihrer Tochter kommt Ende Februar zum Haus, um Fotos zu machen. Wer all diese Leute nach dem Grund ihres Besuches fragt, bekommt oft verschämte und ausweichende Antworten. Ein 18-Jähriger sagt: »Es ist eigentlich wie Mobbing auf dem Schulhof, aber ich schaue ja nur zu.«

    Die Frau, die Winkler am Tag seines Auszugs aus dem Wald beobachtet, kommt aus dem Rheinland. Tagelang ist sie mit ihrem bepackten E-Bike nach Mittelfranken gefahren. Bei Minusgraden schläft sie im Wald oberhalb des Dorfes in ihrem Biwaksack. Der Drachenlord sei doch selbst schuld am Drachengame: »Es ist seine Geschäftsmasche.« Sie fahre alle zwei Jahre nach Altschauerberg, der Drachenlord interessiere sie als Phänomen. »Ein abgestumpftes Leben vor der Kamera«, nennt sie es und fährt zu Winklers Haus, um ihn zu fotografieren.
    Am Nachmittag des 28. Februar herrscht Feierstimmung in Altschauerberg. Jemand hat Sekt und Gläser mitgebracht, die Flasche geht um, fast das halbe Dorf hat sich versammelt. »Der Drachenlord ist ausgezogen«, verkündet eine ältere Dame. Viele von Winklers Nachbarn haben diesen Tag herbeigesehnt, manche seit Jahren. Jetzt schmieden sie Pläne für ein Dorffest. Sie scherzen: »Die Polizei macht erstmal Überstundenabbau!«

    Doch viele reden sich auch ihre Enttäuschung von der Seele. »Wir hoffen nicht, dass er wiederkommt, aber wir schließen in dem Rechtsstaat nichts mehr aus«, flucht einer. Sie haben viel abgekriegt: Nächtliche Anrufe, Lärm, Hausfriedensbruch. Kürzlich haben die Hater den Glasfaseranschluss des Ortes gekappt.

    Manche Nachbarn sagen, anfangs hätten sie noch Mitleid gehabt. Sie erzählen, was sie alles versucht hätten, etwa über einen »Sozialpädagogen an Winkler ranzukommen«. Vergeblich. Immer wieder hatten Anwohner und Beamte demnach versucht, dem Drachenlord zu helfen, auf ihn einzureden. Aber Rainer Winkler habe sich nicht helfen lassen, erzählen sie. Später habe man ihn dutzendfach wegen Ruhestörung angezeigt, um Druck aufzubauen. Am Ende hielt fast niemand mehr im Ort zu Winkler. Die Anwohner berichten von Briefen an die Polizei, das Landratsamt, Bayerns Innenminister Herrmann.
    Doch es habe sich nichts geändert, die Zustände seien »unzumutbar.« Die Reiterstaffel, die die Polizei regelmäßig ins Dorf schickt, sei Augenwischerei, die Hater hätten darüber gelacht. Die Diensthunde der Polizei? Die seien nur am Wochenende da.

    Nur eine bekommt Lob: Sandra Winkelspecht, Erste Bürgermeisterin der Marktgemeinde Emskirchen, zu der Altschauerberg als Ortsteil gehört. Sie habe, so ist es im Ort zu hören, den Auszug eingefädelt. »Ohne die Sandra wäre hier gar nichts passiert«, sagt ein Anwohner.

  • #167 panic 22 März 2022, 18:02

    3/3

    Roman Feldner ist einer der Nachbarn des Drachenlord. Seinen echten Namen möchte er hier nicht lesen. Feldner sitzt im Wohnzimmer seines Hauses und zählt auf, was seine Kinder bisher alles nicht machen konnten: Sie trauten sich nicht, allein das Haus zu verlassen. Sie gingen nicht allein in den Wald, spielten nicht im Dorf, bauten nicht einmal ein Baumhaus im eigenen Garten. Zu groß war die Gefahr, dass jemand eine Silvester-Rakete zündete, herumgrölte, durch den Ort raste.

    Im August 2018 packte Feldner die Panik. Bis zu 800 Menschen belagerten sein Dorf, grölten und grillten im anliegenden Wald. Sie hatten sich für das sogenannte Schanzenfest versammelt, mit dem Ziel, Winklers Grundstück zu stürmen. Zeitweise brannte eine Wiese am Ortsrand. Feldner sagt, er habe sein Auto vollgetankt und den Schlüssel stecken lassen. »Ich hatte Angst, dass die irgendwo eine Kippe hinwerfen und der ganze Mist hier wegbrennt.«
    An dem Abend wurden Spezialkräfte der Polizei von einem Fußballspiel abgezogen und nach Altschauerberg geschickt. Da dachte Feldner, der Staat hätte endlich verstanden. »Eine Woche später war alles so wie vorher«, sagt Feldner.

    Den Polizisten vor Ort macht er aber keinen Vorwurf. Er ist vor allem von der großen Politik enttäuscht, von Innenminister Herrmann etwa. Dreimal hätten sie versucht, ein Gespräch bei ihm zu bekommen – ohne Erfolg. Auch mit dem SPIEGEL will Herrmann nicht sprechen. In einem Brief an den Präsidenten der mittelfränkischen Polizei schreibt Feldner: »Von Ruhe kann keine Rede sein. Nein, wir haben resigniert.«
    Siegfried Archut hat seit Jahren miterlebt, wie das Drachengame eskalierte. Er ist Leiter der Polizeiinspektion Neustadt an der Aisch, die auch für Altschauerberg zuständig ist. 52 Stellen hat Archuts Polizeiinspektion, eine kleine Dienststelle für einen weitläufigen Landkreis. Im Schnitt musste er in den vergangenen Monaten jeden Tag fünf- bis zehnmal Beamte zu Winklers Haus schicken.

    »Angesichts der großen Menge an Straftaten und Aktionen, die in all den Jahren in Altschauerberg passiert sind, verlieren sie manchmal fast den Glauben an die Menschheit«, sagt Polizeihauptkommissar Archut.

    Bayern schickte Polizisten mit Hunden und auf Pferden. Geschätzt mehr als 150 Verfahren gegen Hater habe es bisher gegeben, sagt die Staatsanwaltschaft, vornehmlich betrafen sie demnach Straftaten, die im Ort begangen wurden.

    Doch die Strafverfolger schritten nicht konsequent im Netz ein, wo der Mob jahrelang immer weiter wuchs. »Wir verfolgen nicht alle YouTube-Streams, sichten keine Kommentare«, sagt ein Polizeisprecher. Und die Beleidigungen im Netz, die Drohungen? Habe man strafrechtlich verfolgt – sofern man davon erfuhr, sagt die Staatsanwaltschaft.
    Ermittler von Bayerns zentraler Cybercrime-Staatsanwaltschaft wurden nach SPIEGEL-Informationen bisher nur einmal in der Sache hinzugezogen, in einem Fall vor über fünf Jahren. Von den 22 Hatespeech-Sonderdezernaten bei bayerischen Staatsanwaltschaften übernahm keines einen Fall in dem Komplex. Entsprechende spezialisierte Ermittler gibt es inzwischen in ganz Deutschland, doch sie kümmern sich meist um rechtsextreme und politische Fälle, nicht um Cybermobbing. Die Hetze gegen den Drachenlord liegt in einem toten Winkel der Ermittlungsbehörden.

    Wie ließe sich das ändern? Der IT-Fachanwalt Chan-jo Jun sagt, der Fall lege ein grundsätzliches Problem der Justiz offen: »Beleidigungen, Bedrohungen, Provokationen gelten noch immer als Bagatelldelikt.«

    Cybermobbing entfaltet seine gefährliche Wucht aus der tausendfachen Wiederholung und der zunehmenden Entgrenzung, den immer krasseren Sprüchen und Taten. Diese Dynamik, sagt Jun, berücksichtige das deutsche Recht nicht ausreichend. Er selbst geriet auch schon in das Visier der Hater, als er Anfang Februar auf seinem YouTube-Kanal das Drachenlord-Urteil analysierte. Das Video hat er nach nur zwei Stunden wieder gelöscht.
    Das gehört zur Strategie der Hater: Jeder, der auch nur in Winklers Nähe gerät, kann es mit dem Mob zu tun bekommen. Der Inhaber der Pizzeria im Nachbarort Altschauerbergs, Rainer Winklers Familie, Journalisten, die Hater kritisieren. Aktuell ermittelt die Polizei wegen eines Cyberangriffs auf die Gemeinde.

    Die Emskirchener Bürgermeisterin Sandra Winkelspecht schreibt, sie sei selbst zur Zielscheibe geworden. Bis heute, heißt es, bekomme sie Hassmails und seltsame Pakete. Ein Polizist erzählt, die Gemeinde habe sich schwergetan, Handwerker für den Abriss von Winklers Haus zu finden. Niemand will sich dem aussetzen.

    Man hätte von der Gemeinde und auch vom Innenministerium gern erfahren, was sie versucht haben, um dem bundesweit gemobbten Rainer Winkler zu helfen, um die Lage zu befrieden und wie es dazu kam, dass er ausziehen musste. Das bayerische Innenministerium antwortet auf diese Fragen nur allgemein. Der SPIEGEL hat jedes Gemeinderatsmitglied kontaktiert, niemand will die Fragen beantworten. Bürgermeisterin Sandra Winkelspecht schreibt, nach jedem Medienbeitrag habe sich die Lage vor Ort verschlechtert.

    In Altschauerberg rücken nur wenige Tage nach dem Auszug des Drachenlord die Bagger an, um sein Elternhaus abzureißen. Die Hater kommen noch immer, manche nehmen Schutt als Souvenir mit. Auch die Polizei ist da. In den ersten Tagen schützen die USK-Spezialkräfte das Abrissunternehmen und die Angestellten der Stadt.
    Auf Telegram haben die Hater unterdessen eine Gruppe gegründet, um den Drachenlord praktisch in Echtzeit zu verfolgen, während er durch Deutschland fährt. Sie nennen es »Schnitzeljagd.« In der ersten Nacht nach seinem Auszug sieht sich der Gejagte gezwungen, aus seinem Hotel wieder auszuchecken und übernachtet stattdessen in seinem Truck.

    Von der Polizei Mittelfranken heißt es, man sei nicht mehr zuständig, wenn Winkler Bayern verlässt. Im Übrigen liege keine »Gefährdungsprognose« vor.

  • #168 panic 22 März 2022, 20:09

    Schanze nun komplett platt (Quelle Telegram)

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  • #169 panic 22 März 2022, 20:10

    Adlersson war auch nochmal da




    Dieser Beitrag wurde von panic am 23.03.2022 00:16:13 bearbeitet.
  • #170 panic 22 März 2022, 21:33

    T-Online-Artikel 22.03.22

  • #171 panic 22 März 2022, 23:57

    Neues Video von Solmecke

  • #172 panic 23 März 2022, 09:56

    Live-Stream vom Gerichtsgebäude

  • #173 panic 23 März 2022, 10:01

    Wienand-Tweets Teil 1













    Dieser Beitrag wurde von panic am 23.03.2022 13:00:30 bearbeitet.
  • #174 panic 23 März 2022, 10:03

    Erste Bilder aus dem Saal

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    Dieser Beitrag wurde von panic am 23.03.2022 12:12:18 bearbeitet.
  • #175 panic 23 März 2022, 10:12

    Kurze News von 1Live



    danke @PaxieFixie

  • #176 panic 23 März 2022, 10:15

    Er ist mit dem Ranger vor Ort

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    Dieser Beitrag wurde von panic am 23.03.2022 10:49:00 bearbeitet.
  • #177 panic 23 März 2022, 10:42

    Kleiner Gegendemonstrant

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  • #178 panic 23 März 2022, 10:47

    Online-Artikel 23.03.22











    Dieser Beitrag wurde von panic am 23.03.2022 17:45:17 bearbeitet.
  • #179 panic 23 März 2022, 11:31

    Bild der ehemaligen Schanze :)

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  • #180 panic 23 März 2022, 12:37

    Erste Bewegtbilder aus dem Saal (Quelle nordbayern.de)





    Und noch was von infranken.de

    Dieser Beitrag wurde von panic am 23.03.2022 12:43:30 bearbeitet.