#112664
gayusschwulius
6 März 2023, 21:42
Zitat von: Leonidas
muss mal kurz telefonieren
"Ihr seid um nix besser"
Ich kann ein Abitur, ein erstes juristisches Staatsexamen (so Allah will, bald auch ein zweites), eine Freundin, einen festen Wohnsitz, eine vernünftige Beziehung zu meinen Eltern und einen nicht beim bloßen Sitzen wie eine Dampflok erster Generation schnaufenden Körper vorweisen, allein das macht mich in jeder materiellen Hinsicht dem Wongel überlegen. Das ist ja schon der erste große Reiz an der causa; selbst ein indischer Straßenjunge mit Down-Syndrom könnte, so er ihn denn verstünde, den Stream des Winklers ansehen und sich danach mit dem beruhigenden Gefühl in der Gosse schlafen legen, dass er immerhin nicht so ein massiver Spast ist wie der fette Mittelfranke. Er ist das ideale Negativbeispiel; die im Marianengraben liegende Messlatte, an der wirklich niemand scheitern kann.
Mal ganz davon abgesehen betrachte ich es auch als einzig ethisch richtige Haltung, verwerflichem Fehlverhalten anderer Menschen - zum Beispiel, wenn ein minderbemittelter narzisstischer Ex-Sonderschüler ernsthaft meint, er könnte im Internet einen auf großen Maxe machen - mit dem größtmöglichen Maß an Intoleranz entgegenzutreten. Diese Apathie gegenüber dem Querulantentum seiner Mitmenschen, welches die Mitte der Gesellschaft in den letzten Jahrzehnten von einer aus Faulheit geborenen Charakterschwäche zur zivilcouragierten Tugend erhoben hat, ist für den völligen Niedergang jeglicher sozialer Kohäsion, den wir in rapider Geschwindigkeit um uns herum erleben, in erheblichem Maße mitverantwortlich. Was ich damit sagen will, ist Folgendes: Mobbing ist, so es den Richtigen trifft, ein wichtiger sozialer Korrekturmechanismus, den zu deaktivieren keineswegs wünschenswert ist. Dass jemandem, der sich entgegen jeglicher sozialer Konvention aufführt, auch dann ein gehöriges Maß an Ablehnung durch seine Mitmenschen entgegenschlägt, wenn sich seine Handlungen noch im Bereich des Legalen befinden, ist eine absolute zivilisatorische Selbstverständlichkeit.
Und damit möchte ich jetzt gar nicht sagen, dass ich das Hänseln des dicken Sondis aus Windesheim als Akt der Zivilcourage betreibe. Natürlich nicht. Ich mache das, weil ich es als sadistischer Psychopath schlicht lustig finde, den dicken Tanzbären zum Tanzen zu bringen. Aber ich bin eben nicht der Ansicht, dass das in irgendeiner Weise verwerflich ist. Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es auch hinaus, und die Tatsache, dass ein gar nicht so unerheblicher Teil des Internets dem Kalorienconnoisseur mit heftiger Ablehnung begegnet, erfüllt mein schwarzes, misanthropes Herz eher mit einem Anflug von Liebe zu meinen Mitmenschen, da offensichtlich das "Anstandsgefühl aller billig und gerecht Denkenden" (Zitat Reichsgericht, oder, um es mit Roland Freisler zu formulieren, das "gesunde Volksempfinden") auch in diesen völlig verkommenen Zeiten doch noch irgendwo vorhanden ist.