Kleiner Sarek-Bericht.
Insgesamt ein ziemlich krasses und intensives Erlebnis. Wer Ausrüstung hat (vor allem für schlechtes Wetter und Wind), eine Symbiose mit seinen Wanderschuhen eingegangen ist und bereits einige Erfahrung mit Fernwanderungen hat, dem kann ich nur empfehlen, diesen "nächsten Schritt" zu wagen. Zudem muss man wissen, wie man seinen mitgeschleppten Proviant einzuteilen hat.
Im Sarek ist man quasi auf sich alleine gestellt. Es wurde nichts durch Menschenhand verändert oder geformt. Keine Markierungen, menschengemacht hergerichtete Wege oder Schotterstraßen (nur teils Rentier- oder Trampelpfade), Brücken (außer eine einzige in der Mitte), Hütten, nichts. Keine Boote, keine Mountainbiker, keine Heißluftballons und Flugzeuge habe ich auch nicht gehört. Kein Empfang, kein Netz. Nur Ruhe und Stille. Man selber und die Natur.
GPS geht aber natürlich. Um einen Notruf absondern zu können, braucht man ein spezielles Gerät. Natürlich keine Kanacken und Frauen habe ich auch keine einzige gesehen. Achja und Mücken habe ich auch nicht gesehen. Meistens ist man da über der Baumgrenze und es war generell eh zu kalt. Zecken habe ich auch keine gehabt.
Ich habe mich für einen "leichten" Einstieg entschieden und die zweite Hälfte sollte dann herausfordernd sein. War 6 Tage drin und habe insgesamt 17 Begegnungen gehabt. Die meisten in den ersten beiden Tagen. An der Stelle, an der mehrere Täler zusammenlaufen, zerläuft es sich dann auch. Am 3. Tag 3 Begegnungen, dann 1, dann 0, dann wieder 2 Richtung Ausgang (man kommt am Kungsleden raus).
Die meisten waren zu zweit oder dritt unterwegs, habe aber auch einige getroffen, die auch alleine unterwegs waren. Gesprochen wird in der Regel nicht, man versucht sich aus dem Weg zu gehen. Fand ich auch gut so.
Trampelpfade gab es dann abschnittsweise wirklich keine mehr. Insgesamt musste man natürlich alle Flüsse furten und natürlich die richtigen Stellen finden. Und Wasser gibt es da verdammt viel. Man kämpft sich weglos durch beschissene Sümpfe, kilometerlang über Felsbrocken. Man muss fast vertikal steile Schluchten an bestimmten Punkten runter, die man erst mal finden muss, um reißende Gletscherbäche zu queren. Die Sümpfe sind das Schlimmste. Bevor ich los bin, hat es 2 Tage übelst geregnet und gestürmt (ich musste am Anfang mit dem Heli rüber, weil die Fähre über den See nicht fuhr). Die ziehen einem die Energie sowas von aus den Beinen. Wenn es dann den ganzen Tag nieselt und windig ist und Pausen unangenehm sind, dann wirds echt hart. Zudem hatte ich ab Tag 4 quasi Wasserpfützen in den Schuhen - trotz neuer und rel. teurer Goretex Schuhe, is einfach so. Der einzige Wetterschutz ist im Prinzip das eigene Zelt, da es ja keine Unterstände oder auf dem überwiegenden Teil der Strecke keine Bäume gibt. Heißt: Man ist idr. dem Wetter den ganzen Tag ausgeliefert. Die ersten 3 Tage hatte ich Scheißwetter. Hat jeden Tag mehrere Stunden während des Wanderns geregnet, mindestens genieselt und windig war es auch immer. Abends klarte es aber lustigerweise immer dann auf, wenn ich mein Zelt aufbaute. Also eignetlich bisl Glückl im Unglück, beschissner hätte es halt auch sein können. Die zweite Hälfte auf den härteren und faszinierenderen Abschnitten hatte ich aber auch echt gutes Wetter. Also insgesamt eigentlich ziemlich viel Glück, würde ich sagen. Einmal hatte ich so heftigen Wind, dass es mir zwei tief im Boden verankerte Groundhogs-Zeltheringe aus dem Boden gerissen hat. Zum glück dann den ganzen Tag über Rückenwind. Aber auch so Böen, dass es aus dem Gleichgewicht gebracht hat. Beim Furten von Flüssen ein besonderer Spaß (zum Glück an dem Tag keine Geröllfelder zu queren).
Tsüchisch gesehen, sage ich euch, war es richtig geil, von allem weg zu sein. Weg von sozialen Normen, Verpflichtungen, von Menschen aufgestellten Regeln wie man sich zu verhalten hat. Weg von Kanacken, Messerstechern, US-Wahlkampf, seinen Alltagsproblemen und dem alltäglichen Sozialfersagen, dem ganzen Wokedreck, Grünninen, Hedonistengesellschaft und halt der ganze Dreck, der so tagäglich über einen hineinprasselt. So rückblickend ist mir dann bewusst geworden, dass mir beim Einstieg in den Sarek wirklich eine unglaubliche Last von den Schultern gefallen ist. Sehr befreiend. Das Gefühl hatte ich bisher so noch nie. Und ich habe schon viele wochenlange Bikepackingtrips oder Fernwanderungen gemacht. Einmal, als ich wirklich ewig niemanden mehr getroffen hatte, habe ich für einen Augenblick Schiss gehabt, als mir bewusst wurde, dass ich mehrere Tagesmärsche in alle Richtungen entfernt von der Zivilisation entfernt war.
Die folgenden Fotos sind vielleicht nicht so pittoresk wie die Dolomiten oder so. Beeindruckend ist da mehr das Gefühl von absoluter Wildnis und Weite. Und vor allem gibt es in dem Nationalpark wohl an die 100 Gletscher. Das fand ich auch immer wieder beeindruckend, dass man durch so eine Gletschergegend läuft. Und dann natürlich das Herbstambiente mit den goldenen Birken und so. Super schön.
Achja, und eine Elchin habe ich auch gesehen. Und viele Rentiere.
Kleine Gletscherbachquerung. Vor der Stelle hatte ich bereits seit Planung Schiss.
Hier unten auf dem Foto hatte ich gerade mein Zelt aufbauen wollen am Abend. Da kam plötzlich über den Berg richtig geiles Wetter rein. Hat nur noch Gandalf mit den Reitern Rohans gefehlt.
Hier sah es auf so einem Plateau so aus. Bisschen Mordorstyle. Es hat echt den ganzen Tag geregnet und gewindet und war saukalt. Dann ging man über den Pass und sah instant Panorama im daurauffolgenden Foto. War ein unglaublich geiler Moment, weil das Wetter so ins Positive wechselte.




