#14083
bauzi
21 Juli 2025, 18:15
Zitat von: Stinkachu
Niemand in meiner Familie fährt so eine Campingkarre, aber das Mindset ist schon recht weit verbreitet, es ist halt nicht so rüpelhaft wie diese Spruch auf dem Wohnmobil. Dieses Reisen, Reisen und nochmal Reisen ist recht weit verbreitet, finde ich aber auch noch irgendwie ok, aber auch ein wenig exzessiv, aber was solls. Was regelmäßig mein Arschmett zum kochen bringt ist die Haltung, so früh wie möglich in Rente zu gehen, obwohl sie Jobs haben, in denen es sich angenehm in den Stuhl furzen lässt. Aber es werden Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt um möglichs früh in Rente zu gehen, Altersteilzeit, diesdas und darüber wird ewig lang berichtet und es wird stolz in die Runde geblickt, wie schlau sie es angestellt haben. Ein Bekannter von meinen Eltern berichtete sogar, dass seine Frau es so gedengelt hat, dass ihr gekündigt worden ist, sie bis zum frühesten Rentenanspruch ALG bezieht und dann in Rente gehen kann und ich war kurz davor was zu sagen, weil es halt eben auch der Missbrauch eines Sozialsystems ist und sie nun wirklich nicht drauf angewiesen sind. Aber hauptsache man kann endlich in den scheiß Unruhestand treten.
Aber es sind ja nie einzelne Boomer, wenn ich hier sowas schreibe, dann meine ich sie als Gesamtheit, die ein ernsthaftes Problem damit hat, auch mal ein Nein zu hören und es bisher auch kein Nein gegeben hat.
In der Diskussion wird dann immer irgendein Boomer herangezogen, der sein Leben lang als Dachdecker gearbeitet hat, immer ehrlich war, nie was extra gehabt undsoweidda. Ist halt das gleiche wie bei der Diskussion über Migranten, da wird dann irgendein Abdul zitiert, der noch auf dem Boot im Mittelmeer seinen Abschlus in Medizin gemacht hat und jetzt erfolgreich arbeitet und das ja wohl der Beweis dafür ist, dass alles okeh ist. Unbestritten ist, dass die Boomer die reichste und fitteste Generation ist, die ihr Rentenalter erreicht haben, dieser Überschuss wird aber nicht genutzt, um die Schwierigkeiten auszugleichen, welche die Boomer durch ihre Weigerung den Generationenvertrag einzuhalten geschaffen haben. Nein, es heißt wieder nur "ich, ich, ich". Aber es ist wie immer, der Einzelne hat nie Schuld und es gibt immer eine Million Gründe, warum gerade für mich eine Ausnahme gelten soll.
Die Einstellung ist wirklich weit verbreitet unter Boomern. Ich habs bei Bekannten und Arbeitskollegen meiner Eltern mitbekommen. Die können oder wollen einfach nicht mehr. Aber weniger körperlich - psychisch kommen die einfach nicht mehr klar. Eigentlich ein Trend, den sich Deutschland mit der Überalterung so gar nicht leisten kann, wie du richtig schreibst.
Fairerweise muss man sagen, dass sich manchmal die Arbeitsbedingungen so verschlechtert haben, dass sie deswegen nicht mehr wollen. Ich beziehe mich vor allem auf die Art von Kundschaft, die an der Kasse oder am Schalter steht. Keiner kann mehr die Sprache, die Leute sind unverschämt und aggressiv, und so inkompetent wie nie zuvor. Da kann ich schon irgendwie nachvollziehen, dass man da keinen Bock mehr hat.
Und auch sonstige Arbeitsbedingungen sind nicht mehr so geil wie damals. Ich glaub, die Zeit hat viele Boomer einfach überholt mit all den technischen Neuerungen, sodass sie nicht mehr mitkommen. Tja, heterogene digitale Gesellschaften sind im Alter nicht gerade angenehm für die Jobqualität - wenn man damit nicht aufgewachsen ist.
Aber viele wollen halt einfach gar nicht mehr. Und nehmen die Abschläge in Kauf, ohne mit der Wimper zu zucken.
Dein Beispiel mit dem Erbe verprassen kenne ich von meinen Eltern zwar nicht, aber ich hab auch schon - wenn auch weniger überspitzt - solche Mentalitäten mitbekommen. Reisen ist wirklich des Deutschen - eingebürgert oder bio - liebste Beschäftigung. Und der Generationsvertrag juckt viele dabei null. Die denken halt nicht 15-20 Jahre voraus, was da eigentlich auf
die zukommt - in Sachen Pflege und allem drum und dran. Die denken sich: "Verprass ichs jetzt, den Pflegeanteil übernimmt dann eh das Sozialamt."