#1683
Kümmelklabauter
25 Feb. 2023, 13:08
Zitat von: Brisko
Jetzt wird dir aber eine Meinung schon gut ins Gesicht gedrückt und dabei sind natürlich die Klassiker: Klimaschutz wichtig, trans/non-binär prima und AfD degenerierte Nazis.
Zentraler Punkt bleiben aber die absurden Situationen und deshalb hab ich auch (bisher) weiter Spaß dran.
Die ersten drei Staffeln hab ich geliebt, aber mit dem Beginn von Staffel 4 wurde die Serie für mich zum Totalausfall. Mir fällt aus dieser Periode keine einzige Folge ein, die ich bis dato noch mal sehen wollen würde. Der Esprit war weg, es war einfach nicht mehr lustig. Es kam nur noch zu teilbizarren Situationen, die aber nicht mehr ansatzweise befriedigend aufgelöst wurden – das ist ja das eigentlich Witzige; wie gehen die Charaktere mit der Lage um, wenn der Schamdrehzahlmesser den roten Bereich erreicht hat? –, sondern einfach zum vermeintlich spannendsten Zeitpunkt (ich erinnere mich grob an die Beerdigung von Emily, da fings gerade an, peinlich zu werden -> hard cut) in einem abrupten, unorganischen Ende kummulieren, damit zur nächsten langweiligen Situation übergeleitet werden kann.
Es wird auch einfach großteils nicht mehr ansatzweise nachvollziehbar gehandelt. Zu Beginn der Serie repräsentierte Christian ja so ein wenig – ähnlich dem Bastian in Pastewka – den (etwas verstockten und distanzierten) gesunden Menschenverstand, der durch unglückliche Verkettungen im Wesentlichen unverschuldet in sozial geächtete Situationen hineingedrängt wird. Beispiel Folge 1 jerks: Die Selbsthilfegruppe trauernder Eltern, die ihr Kind verloren haben. Christian und Emily waren nicht mal schwanger, nehmen aber trotzdem teil -> Christian erfindet spontan eine Lügengeschichte, um das Leid der berechtigterweise trauernden Eltern nicht zu bagatellisieren. Das kann der Zuschauer nachfühlen.
Wie geht es heute vonstatten? Ulmen zankt sich in vielen – unglaublich langweiligen – Szenen mit einem Busfahrer, der die Fronttür nicht aufmachen will; stalkt ihn zu Hause, hört sich seine Trauergeschichte an – und nimmt, ohne mit der Wimper zu zucken, seine Einladung zum gemeinsamen Wichsen im Kinosessel an. Was? Das passt weder zu Christians etabliertem Charakter, noch kann man sich als normaler Mensch in diese Lage hineinversetzen. Das ist nicht schrullig-skurril, das ist einfach nur absurd, bescheuert und am allerschlimmsten unkreativ.
Aber Sprung zur aktuellen Folge: Das war (wie gesagt, seit Beginn der vierten Staffel!) das erste Mal, dass ich wieder den Funken gespürt hab. Fahri als – in seinen Augen – bedrängtes Cancel-Opfer und Christians Begegnung mit der Frau, die ihm so sehr gleicht, waren tatsächlich lustig, und an diesem Punkt wollte mir die Geschichte auch endlich wieder was erzählen, nicht bloß vor sich hindümpeln. Den Vorwurf der Politisierung im Sinne des Mainstreams sehe ich – zumindest aus unserem basierten Blickwinkel – zwiegespalten. Es wurde bisher meiner Ansicht nach noch nicht produzentenseitig impliziert, dass Ulmens Gör mit der Pauschalisierung AfD -> Nazi -> untragbar Recht hat. Dieser Vorgang findet hierzulande ja millionenfach statt und wird erst mal berechtigt persifliert, nicht durch äußere Umstände kommentiert. Insbesondere, weil der Charakter der AfD-Frau ja durchweg sympathisch gezeichnet wurde. Gleiches mit dem LGBTQ-Scheiß: Fahri führt dem Zuschauer vor, dass dieser ganze Dreck für viele Menschen sehr wohl eine Modeerscheinung ist und regelmäßig ein gesellschaftliches Manipulationsinstrument im Sinne des Kulturmarxismus' darstellt.
Heißt natürlich nicht, dass die Produzenten nicht doch die Mainstreamagenda verfolgen, aber aus der Serie geht das meiner Meinung nach nicht deutlich hervor. Viel eher stimmte mich die aktuelle Folge vorsichtig optimistisch, was das Serienende angeht – vielleicht bekommen wir, wenn auch sicher nicht in ganz alter Höchstqualität, noch ein paar witzige und solide letzte Folgen präsentiert.